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MARIO PILATI: Concerto C-Dur für Orchester
 
 

 


MARIO PILATI

CONCERTO C-DUR FÜR ORCHESTER

Testo tratto dal programma di sala
del Gewandhaus di Lipsia, 25 febbraio 2001


Er gehört zu den vergessenen Komponisten, deren es in der Musikgeschichte viele gibt. Er starb jung und scheinbar unvollendet - auch dieses Schicksal teilt er mit zahlreichen Berufsgenossen. Und wie manch andere gerät er just wieder ins Blickfeld, als sich das ausgehende Jahrhundert auf seine künstlerischen Wurzeln in den musikalischen »Revolutionsjahrzehnten« nach 1900 besinnt. Glaubt man Ildebrando Pizzetti, dem als Lehrer und Komponist gerühmten »Meister von Parma«, dann wurde am 10. Dezember 1938 mit Mario Pitati eine der größten italienischen Tonschöpferhoffnungen zu Grabe getragen.
Geboren 1903 in Neapel, erkannte und förderte man seine Begabung schon früh; sein Vater bestand allerdings auf einem »bürgerlichen« Berufsabschluss als Buchhalter. Dennoch durfte sich Pillati am Konservatorium einschreiben, wo er auf den Kompositionslehrer Antonio Savasta traf, der ihn sofort unter seine Fittiche nahm und zum Wechsel auf die Musikschule San Pietro in Maiella bewegte. Hier studierte Pilati bis zum Sommer 1923 und legte sein Diplom mit Auszeichnung ab. Ohne jede Berufserfahrung nahm er direkt im Anschluss seine erste Lehrtätigkeit am Civico Liceo Musicale in Cagliari an, ging aber bereits zwei Jahre später auf Pizzettis Empfehlung zum Musikverlag Ricordi nach Mailand. Dort verantwortlich für die Herstellung von Klavierauszügen und Opern anderer Komponisten, begann Pitati nun auch, eigene Werke herauszugeben. Während dieser für ihn sehr glücklichen Zeit entfaltete er eine ungeheure Produktivität, und mit seiner Flötensonate, für die er 1926 den renommierten CoolidgePreis erhielt, erlangte er erste internationale Beachtung, Er heiratete (aus der Ehe gingen drei Töchter hervor), nahm Lehrstellen in Neapel (1930 - 1933), Palermo (1933 - 1938, gemeinsam mit seinem Mentor Savasta) und wieder Neapel (1938) an, schrieb Aufsätze, komponierte, arbeitete an einer Oper über die neapotitanischen Bräuche - und erlag im Alter von gerade 35 Jahren einer heimtückischen Krankheit. In zahlreichen
Nachrufen rühmten Kommilitonen, Lehrer und Freunde übereinstimmend Pilatis pädagogische Fähigkeiten, sein sicheres ästhetisches Urteil, seine kompositorische Originalität, Klarheit und Stringenz. Verbreitete Reputation als Tonschöpfer besaß er trotz seiner jungen Jahre vor allem auf dem Gebiet der Kammemusik (Klavierquintett, Sonaten, Bagatellen, vor allem das «Preludio, Aria e Tarantella» für Violine und Klavier) und durch seine verschiedentlich unter Beweis gestellte exzellente Orchesterbehandlung. Im Bewusstsein einer bewahrenswerten Tradition übernahm er in seinen Werken Anregungen des französischen Impressionismus, zitierte volkstümliche italienische Melodien, fand aber auch Anlehnung an Formen der großen instrumentaimusik von Cavazzoni bis Brahms. Von Zeitgenosssen in die Nähe des Neoklassizismus gerückt, entwickelte Pilati den musikalischen Diskursjedoch eher in barockem und romantischem Sinn, was seiner Musik angenehme Ausstrahlung und Unmittelbarkeit in der Wirkung verlieh.

Dies trifft in besonderer Weise auf das 1931-32 komponierte
Concerto in C-Dur zu, dessen Uraufführung -1938 beim Festival Zeitgeriössischer Musik in Venedig unter der Leitung von Dimitri Mitropoulos - Pilati einen großen Publikumserfolg einbrachte. Rhythmisch akzentuiert und mit großer Geste beginnt der erste Satz, wobei das Tuttiklavier nur kurzzeitig als Orchesterklangfarbe, bald jedoch als eigenständige Kraft in der Motiventwicklung auftritt. Diese exponierte Stellung im Kopfsatz führte dazu, dass manche Kataloge das Werk als Klavierkonzert ausweisen. Die Leichtigkeit des musikalischen Ideenflusses, die gekonnte Steigerung und Rücknahme der melodischen Spannungsbögen lassen eine für die Entstehungszeit nicht unbedingt typische Freude am Musizieren beim Komponisten erkennen, die auch in der von motorischen, rhythmisch vielfältigen Klavierkaskaden wirkungsvoll in Szene gesetzten Schluss-Steigerung ihren Ausdruck findet. Das Adagio eröffnet mit einer dreistimmigen Hornkantilene über Streicherpizzikati, die von dunkel gefärbten Violinen abgelöst werden. Erregte 64stel-Passagen leiten einen bewegteren Mittelteil ein; abwärtssausende Streichertriolen unter flimmernden Holzbläserpassagen lassen Dramatik aufkommen, bevor der Fortissimo-Höhepunkt erreicht wird und das Geschehen wieder in den ruhigen Anfangsteil mündet. Das überaus deftige Schkissrondo »alla tirolese« demonstriert Pilatis Verbundenheit mit den lombardischen Folkloretraditionen - das Haupttherna liegt in seiner musikalischen Charakteristik nicht zufällig sehr in der Nähe eines Schuhplattlers.

Zur Uraufführung im Teatto La Fenice äußerte der Rezensent Gianandrea Gavazzeni: »Für den. der zuhört, kann der Beginn des ersten Satzes genügen, um eine Idee davon zu haben, was die Definition des 'BarockRomantischen' für diese Musik bedeutet. Da ist immer ... die Rede von etwas, was bereits existiert hat; einer Zeit oder eines Stils, oder einer Manier, die Musik in einer bestimmten Periode der Vergangenheit annahm.«